Letzter Akt vorm Hauptbahnhof?

Im Innern der Südüberbauung

BAHNHOF. Zum Drama das verbauten Bahnhofsvorplatzes, der „Südüberbauung“, hier einige gesammelte Nachrichten der letzten Monate aus dem Bonner Generalanzeiger. Mitspieler in dieser mäßig unterhaltsamen Provinzposse sind die Stadtverwaltung (bleibt im Verborgenen), der Stadtrat (hat keine Chance, aber nutzt sie), der Investor (der junge Held, immer lächelnd) und die Bürger (zusehends genervt).

13. Dezember 2011. „Die Ratsmehrheit macht der Verwaltung schwere Vorwürfe wegen des erneut vertagten Verkaufsgeschäft“ (dazu ein Innenhof-Foto) sowie eine umwerfende Erkenntnis: „Die Durchgänge und der Innenhof der Südüberbauung entsprechen nicht mehr dem heutigen architektonischen Standard.“ Wer hätte das gedacht?

14. Dezember 2011. „Frist noch einmal verlängert“: die Stadtverwaltung will  Kaufverträge nun am 1. März vorlegen.

28. Februar 2012. „Bonner Bürger bei der Planung miteinbeziehen“ heißt es in Leserbriefen (dazu ein Foto von der Bahnhofseite). „Mit dem ‚Vermarkten‘ des Areals ohne ausreichendes Konzept gibt es kein befriedigemndes Ergebnis. Ein ungeduldiger Investor wird weitere Planungen imm stören .. Der so aufwendig gestaltete Masterplan für die Innenstadt wird zur Makulatur.“

3. März 2012. „Einkaufscenter soll den ‚Klotz‘ ersetzen“ (dazu eine Luftaufnahme). Der GA meldet einen „Durchbruch“: „Der Rat der Stadt Bonn  gab am Donnerstagabend grünes Licht, dass die Stadt Bonn den Vertrag mit dem Investor, der German Development Group (GDG), zum Abschluss bringen .. kann.“  Saturn ante portas! Dafür in nicht-öffentlicher Sitzung: CDU und Grüne. Dagegen: alle anderen.

5. März 2012. „Aus internen Unterlagen geht hervor, dass die Verwaltung große Bedenken gegen den Investor hat“ (dazu dasselbe Innenhof-Foto wie am 13. Dezember). Der „Investor“ habe unter anderem kreative Ideen zur Finanzierung. Er wolle „als erste Maßnahme das Untergeschoss fertigzustellen, um damit Mieteinnahmen erzielen zu können“. Das ist so windig wie der Innenhof der Südüberbauung. Der Verein Pro Bahnhofsvorplatz fordert derweil „eine Planung aus einem Guss“.

16. März 2012. „Jetzt stehen wir kurz vor dem Ziel“ (dazu ein Foto vom Dach der Cassius-Bastei und ein weiteres Foto des lächelnden Investors Roger Sevenheck). Letzterer möchte nicht mit Herrn Kim, dem „Investor“ des WCCB, verglichen werden und auch kein Spekulant sein. Aber er verrät nicht, ob er die Immobilie nach Fertigstellung nicht gleich wieder verkauft. Er sagt: „Im Prinzip“, sagt er, „wollen wir das MCB behalten.“ Mit MCB ist wohl „Maximilian Center Bonn“ gemeint. In Leserbriefen derselben Ausgabe wird unter anderem gefordert: „Die Stadt soll damit aufhören, jeden verfügbaren Platz zuzubauen!“

27. März 2012.„Bürgerbegehren gegen Maximilian-Center“ (dazu eine „Animation“ des geplanten Neubaus). Der Verein Pro Bahnhofsvorplatz plant die Pläne des Investors und der Stadt wie 2004 zu stoppen. Damals reichten 18.000 Unterschriften.

Alles Fassade? Kaiserbahnhof meets 70er-Kitsch. Das neue Haus soll doppelt so hoch werden.

28. März 2012. „Rückenwind für den Investor“ meldet der GA Denn: „Die Realisierungschancen auf den Abriss und Neubau der Südüberbauung vor dem Bonner Hauptbahnhof dürften ein gutes Stückweit gestiegen sein. Denn die Bürgerversammlung, in der Investor Roger Sevenheck, seine Architekten sowie Vertreter der Stadtverwaltung rund 120 Bürger über das Projekt informierten, geriet am Dienstagabend keineswegs zur Protestveranstaltung gegen das Projekt, wie viele dachten.“

29. März 2012. „Investor Sevenheck: ‚Wir haben das Geld'“ Dieser formuliert es folgendermaßen: „Sie können davon ausgehen, dass wir das Geld haben.“ Na, dann ist ja alles prima.

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