Stadt der Wunder

Uni und Münster

Heute fiel mir ein Buch in die Hände, das vor gut einen Vierteljahrhundert erstmals in Deutsch erschien:  „Sodom Berlin“ von Yvan Goll aus dem Jahr 1929, ein Schlüsselroman der wilden Weimarer Kultur. 1985 hatte ich ihn zwar gelesen, aber natürlich völlig vergessen, dass darin auch vom kleinen Bonn die Rede ist. Und wie!

„Für jeden Studenten war sie die Stadt der großen Wunder, Bonn am Rhein“,  schreibt Goll gleich auf Seite 8: „Der Rhein hatte die Farbe von Pilsener Bier und war von recht vollwangigen Nymphen bewohnt. Herrliches Bonn: Die kleine Universität barg für viele eine große Zukunft. Sie nahm die Prinzen aller regierenden Fürstenhäuser bei sich auf und die Söhne aller Industriemagnaten, aller Botschafter und Krautjunker, die Götter der Zukunft. Bonn, der Sitz glanzvoller „Studendencorps“: Saxo-Borussia, Alemania, Arminia.

Studentenliebe heute

Die Theater spielten nur ihretwegen. Die Geschäftsleute lebten nur ihretwegen. Und in den Familien gebaren die Mütter nur ihretwegen. Zweifellos war Bonn die einzige deutsche Stadt, wo männliche Erben unwillkommen waren, denn die Tradition wollte, dass mit jedem ‚möblierten Zimmer‘, das an einen Studenten vermietet wurde, eine reine und holde filia hospitalis bereitstand.“ Ganz Bonn ein Puff? Neinnein, das wäre viel zu einfach. Aber dran ist natürlich schon was.             bp

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