Stadt der Musen

Die Musen sind in der Stadt

Warum weiß die Stadt Bonn eigentlich nicht, was sie ist? „Wissenschaftsstadt„, „Bun- desstadt“, „Beethovenstadt“, „Telekomstadt“ (hätte ich fast vergessen). Aber das ist doch Kraut und Rüben, marke- tingmäßig gesehen. Bonn ist eine multiple Persönlichkeit. Das war nicht immer so.

Früher war Bonn die Universitätsstadt, mit Betonung auf „die“. Denn Bonn war ja nicht irgendeine Universitätsstadt, sondern die der stinkreichen Prinzen und allen, die um sie herumschwänzelten. Also, da war was zu holen und deshalb hielt man alles aus Bonn fern, was diese Stenze hätte stören konnen, zum Beispiel Arbeiter und Fabrikschornsteine. Und deshalb wusste man eben, was man war. Eine Universitätsstadt unter der Käseglocke. Davon profitieren wir heute noch. Später war sie dann die Hauptstadt (da war auch was zu holen). Aber heute. Man kann sich einfach nicht entscheiden. Ist ja auch nicht einfach.

Wächter der "Musenstadt"?

Ich hätte da eine Idee: Mehrmals ist mir in der letzten Zeit ein Begriff begegnet, den ich vorher in diesem Zusammenhang noch nie gehört hatte, der mir aber außerordentlich gefällt und der vielleicht die Lösung wäre. Mit Betonung auf „die“. In einem Buch über Kaiser Wilhelm II. aus dem Jahr 1905, der ja bekanntlich in Bonn studiert hat  (siehe oben), wird sie als „Musenstadt“ bezeichnet. Das finde ich charmant. Denselben Ausdruck fand ich dann noch mal in einem Siegburg-Stadtführer aus dem Jahre 1926 (den ich am Bücherwagen am Kaiserplatz erstanden habe). Es war also offenbar ein geläufiger Ausdruck, obwohl er uns heute so befremdlich vorkommt. Ein Ausflug in die „Musenstadt“. Das hört sich doch super an. Da will doch jeder hin. Denn die Musen sind ja dafür bekannt, dass, wer sich den schönen Künsten hingibt, Gefahr läuft, von ihnen geküsst zu werden. Und hatte Bonn nicht früher sogar mal einen Kussmund?

Schließlich ist es ja auch nicht gelogen. In Bonn gab noch nie so viel Kultur wie heute. Naja, der Kampf des Sports gegen die Oper müsste vielleicht vorher geschlichtet werden. Aber ansonsten. Was spricht eigentlich gegen eine „Musenstadt“?  Dies ist ein Aufruf an alle Musen. Wir wollen geküsst werden!     bp

 

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