Mörder aus Bonn

Kann ein Amtschimmel braun sein? (Foto bp)

Der Bonner Generalanzeiger, früher mal ein Käseblatt, heimst neuerdings Journalistenpreise ein. Nun ist wohl bald wieder einer fällig. Unter der launigen Überschrift „SS-Mann hat ausgedient“ erschien diese Woche eine Geschichte, die schockiert. Anlass war die Umbenennung einer Straße, nicht irgendeiner, sondern der Zufahrtsstraße zum Bundeskriminalamt, kurz BKA. Die soll jetzt nicht mehr Paul-Dickopf-Straße heißen. Denn der war ja Mitglied einer Mörderbande. Das ist den zuständigen Stellen jetzt nach 60 Jahren aufgefallen. Ist doch prima.

Tuch drüber: Tanz um den peinlichen Namen (Foto GA)

So einen wollen wir natürlich nicht auf einem Straßenschild sehen. Pfui! Auch bei Paul von Hindenburg (der ebenfalls ziemlich schneidig gewesen sein soll) ist man schon dabei, dies historische Problem final zu lösen (oder auch nicht). Also wenn nun dieser Dickopf, den ja sowieso keiner kennt, aus dem Navi gestrichen ist, dann gab es den praktisch gar nicht mehr. Ja, wenn nicht der Generalanzeiger darüber berichtet hätte. Die Geschichte in Kurzform geht folgendermaßen: Paul Dickopf war in der Vorgängerorganisation des BKA zwischen 1933 und 1945 tätig und hat dieses Amt dann in der Bundesrepublik ziemlich sorgfältig nach demselben Schema aufgebaut. Also nicht unbedingt demokratisch und auch nicht ohne viele seiner SS-Freunde – nicht wenige davon Mörder – darin unterzubringen. Das war nett, aber nicht schwierig. Denn er war ja der Konstrukteur und später auch der Leiter des BKA (später übrigens auch der von Interpol).

Deutsche Ordnung? SS-Dickopf als BKA-Chef. (Foto Bundesarchiv)

Ich weiß nicht, wieso mich das so angeht. Haben wir doch alles schon mal gehabt. Die Mörder waren eben unter uns. Aber wahrscheinlich ist es die Vorstellung, dass ich mal irgendwann in der Stadt in irgendeinem Café neben diesem älteren Herrn gesessen und den Hauch des Todes eingeatmet habe.      bp

 

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