Verhängt

Postmoderne Geheimnisse

War das eine Aktion! Hätte von Christo sein können. Man steigt ja heute gar nicht mehr durch bei all den tollen Events, die einem so um die Ohren fliegen. Eins jagt das andere. Eine furchtbar aufregende Zeit, in der wir leben dürfen. Ich komme kaum noch mit. Neulich in der Innenstadt, da war wieder so eine teuflisch gute Aktion. Eine ausländische Touristengruppe konnte zwar die schöne Kaufhoffassade, nicht bewundern. Aber das war es ja gerade.

Kaufhofneubau auf Luftbildpostkarte

Die war in den notorisch betonsüchtigen 70er-Jahren extra zur visuellen Rettung des Münsterplatzes angebracht worden. Mit durchschlagendem Erfolg: In einem Rutsch hatte man dann gleich mal ein ganzes Innenstadtkarée zu einem Baublock vereinheitlicht, wie hier auf einer zeitgenössischen Postkarte (!) zu sehen. Die Fassade wurde aus mir nie nachvollziehbaren Gründen allgemein gelobt. Ein seltsamer Zwitter zwischen langweiliger, wenn auch leicht gewölbter Steinfläche und unentzifferbaren Zitaten der Kaiserzeit. Also postmoderner Historismus sozusagen. Wow! Ein Stilbastard, der es in sich hat, diese Wand mit ihren Fenstern, Schießscharten ähnlich, die vielleicht nur einen einzigen Sinn haben. Man kann durch sie das Münster sehen. Nun ist die postpostmoderne Fassade schon selber Schrott. Natürlich bedauerlich. Aber sie musste eben mal renoviert werden. War natürlich nicht Christo (der ist ja tot), sah aber fast so aus.  Warum guckt denn eigentlich keiner hin?                    bp

0 Kommentare zu “Verhängt”


  • Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben