Kirche mit Kunst

Ein großes altes Haus mit einem hohen Turm

Meine Tochter Emily mag das Bonner Münster und diese komische Geschichte mit dem Jesus, die drinnen in Bild und Schrift erzählt wird, muss ich ihr immer wieder erklären (ausgerechnet ich). Es ist ein fremdartiger, magischer Ort .. Wir gehen gerne hin, gucken uns in der großen Halle der Kirche um und gehen auch mal in den Kreuzgang. Eine würdevolle Ruhezone in der wimmelnden Einkaufsstadt, zu der die Innenstadt vor noch gar nicht allzu langer Zeit geworden ist. In diesem versteckten Hof gibt es auch ein paar ziemlich abgeschabte Steinplatten mit Reliefs und kaum lesbaren Schriften, die gottseidank noch niemand restauriert hat. 

Da ahnt man ein klitzekleines bisschen, wie wohl die Zeiten damals waren, als noch alle anderen Häuser aus Holz, Lehm und Stroh waren. Eine Sehenswürdigkeit ist das steinerne Münster, ja sicher. Aber irgendwie auch ein  Relikt aus Zeiten, die uns viel zu fern sind, um uns noch etwas sagen. In Emilys Klasse sind die meisten Kinder „konfessionslos“.

Letztes Abendlicht

Das Münster gehört zu den schönsten Möbelstücken dieser doch recht schicken Bonner Stadtwohnung. Den besten Blick darauf  hat man übrigens beim Weihnachsmarkt vom Riesenrad aus. Und da sieht man dann, wenn man denn hinguckt,  auch ein bisschen mehr als sonst. Die schöne, wohl proportionierte Dachlandschaft. Die fünf spitzen Türme , fast minarettartig. Die Grafik der Fensterlöcher mit ihren Bögen. Ich mag diesen einfachen Stil, den Kunsthistoriker „romanisch“ nennen.

Verdammt alt ist es, das Bonner Münster. Als die große Halle, das Langhaus,  so um das  Jahr 1240 herum fertig war, hatten sie in Köln mit dem neuen Dom noch gar nicht angefangen (das passierte dann erst ein paar Jahre später). Ich erinnere mich wie ungeheuer beeindruckt ich war, als ich als Kind mit meinen Eltern einmal eine Kirche besichtigte und sich herausstellte, dass die 1000 Jahre alt war. Nun, fast 800 Jahre verlangen auch schon eine ganze Menge Phantasie.

Kunst zum hingucken und erklettern

Zeiten, die wir Handymenschen uns kaum vorstellen können (obwohl oder gerade weil das Mittelalter längst krimitauglich und damit vermeintlich erobert ist).  In Bonn, das oft Anhängsel der Geschichte war und deshalb auf seine Identität wenig achtete, sind diese Zeiten noch ein bisschen weiter weg als anderswo. Denn es ist davon wenig übrig außer dem Münster. Und der muss damals im Verhältnis zu den kleinen Häusern des winzig kleinen Bonn einfach überwältigend groß gewirkt haben. So mächtig wie der Glaube und die Kirche eben damals war. Um dieses alte, uns eigentlich total entfremdete Gebäude, das einmal das Zentrum des städtischen Lebens war (was es heute ja nur noch geografisch ist), um uns das wieder etwas näher zu bringen, hat man einen Trick angewendet, den man in Deutschland zur Virtuosität entwickelt hat und der sogar funktioniert. Man hat drumherum moderne Kunst aufgestellt.        bp

 

 

0 Kommentare zu “Kirche mit Kunst”


  • Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben