Blättergeddon

Das Laubbläsermassaker

Vereinen stehe ich generell sehr skeptisch gegenüber. Dem Verein gegen das betrügerische Bier- ausschenken würde ich eventuell noch beitreten. Ich überlege das ernsthaft schon seit etwa 25 Jahren. Denn das ist immerhin ein kulturelles Anliegen. Wo ich aber gar nicht zögern würde, wäre ein Verein gegen die ruchlose Quälerei unschuldigen Laubes jeglicher Art, sei es heimisch oder exotisch.

Friedenslösung! Laub, das einfach nicht runterfällt

Gegen diese wehrlose Spezies des Herbstlaubes, ohnehin zum Sterben verurteilt, hat nun eine gewaltige, mit gefährlichen Maschinen ausgerüstete Armee einen Vernichtungs- krieg angezettelt. Natürlich unter deutscher Führung. Milliarden von Kleintieren sind dem Angriff völlig hilflos ausgeliefert. Und wir sehen (und hören!) alle zu – total genervt, aber scheinbar ohnmächtig. Neuerdings hört man in seiner Umgebung manchmal zwei bis drei Bläser gleichzeitig. Dann kommt vielleicht noch Nachbars Rasenmäher und irgendwo aus der Ferne eine singende Motorsäge hinzu. Und schon ist sie perfekt: die Kakophonie des motorisierten Wahnsinns.

Dieser wie immer völlig sinnlose Krieg tobt schon jahrzehntelang (der Zwanzigjährige) und die deutsche Industrie verdient mal wieder wie verrückt daran und exportiert die Kriegsgeräte in alle Welt. Das ist natürlich auch eine Formfrage. Das oben abgebildete Modell ist allerdings schwedischen Ursprungs (die sollen ja da oben im Norden auch allerhand Laub haben).

Hinter diesem grausamen Guerillakrieg in unseren Städten steckt angeblich eine verschworene, eiskalte Geheimorganisation, professionell angeführt von Grünflächenamtsvorstehern und -vorsteherinnen. Das erklärte Ziel der Aggressoren und Aggressorinnen, der Name sagt es bereits,  ist die Pflege der Rasenflächen: eine Idee des Absolutismus, der bekanntlich darauf aus war, die Natur radikal zu geometrisieren. Dies wird mittlerweile mittels motorisierter Maschinen bewerkstelligt, und zwar flächendeckend.

Doch nun hat sich Widerstand formiert, der hoffentlich bald in eine Vereinsgründung mündet, die, finde ich, höchstens mit der Anti-Atomkraft-Bewegung und vielleicht noch mit der deutschen Jugendbewegung verglichen werden kann. Doch letztere konnte wenigstens noch in herbstliche Wälder flüchten. Die sind nun auch schon längst von den gnadenlosen Blaskolonnen okkupiert. Nebenbei handelt es sich um eine miserabel bezahlte Söldnerarmee. Und die, eine Sinfonie des Schreckens (akustische Kriegsführung!), hält die Stellung, berichtet der Generalanzeiger (mit großem Echo). Das Hauptargument ihrer Befehlshaber: Die Waffen seien ja nun mal angeschafft. Deshalb müssten sie auch benutzt werden. Das haben wir doch irgendwo schon mal gehört.    bp

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