The Castled Crag of Drachenfels

Belohnung für den Aufstieg: solche Aussichten hatte Byron zuhause nicht

Wir, Emily, Henry und ich, waren in Königswinter. Ich wollte unbedingt die neue Glashalle auf dem Drachenfels sehen, die den alten Betonklotz ersetzt und um die es gerade so viele Diskussionen gibt (weil große Scheiben Todesfallen für Vögel sind). Seit so vielen Jahren ersteige ich den Drachenfels, habe dabei oft an Lord Byron, sein Gedicht (Der beburgte Felsen!) und die Ursprünge des Massentourismus im frühen 19. Jahrhundert gedacht, dessen Pionier er ja definitiv war. Den Rhein und dessen pittoreske Burgen entdeckte er, als er mal wieder in die Antike nach Italien oder Griechenland unterwegs war. Das war im Jahr 1816. Dann hat der wackere Byron nicht nur geschaut, sondern ist tatsächlich selbst raufgeklettert. Es gab natürlich noch gar keinen richtigen Weg. Der war seit der Ritterzeit zugewachsen. Da soll sich seine Lordschaft an Dornen das seidene Hemd zerrissen haben. Kein Wunder, dass der romantisch wurde. Von da oben konnte er auch Bonn sehen. Der blaublütige Londoner fand damals die Eingeborenen in ihren schiefen Häusern übrigens ebenfalls ziemlich putzig. Die wiederum sollen sich über den versponnenen Engländer in seinen überkandidelten Klamotten anfangs ziemlich lustig gemacht maben.

Der Drachenfels gehört zu Bonn, auch wenn er etwas in den Hintergrund gerät.

Als Byron wieder zu Hause war, erzählte er die Geschichte vom Rhein und den vielen Burgruinen überall rum. Und er trug natürlich sein Gedicht vor, in dem er das Rheinland zum „Paradies“ erklärt und schon in der ersten Strophe zweimal der Rheinwein vorkommt. Das fanden seine Londoner Künstlerfreunde total spannend. Bereits im nächsten Jahr kam William Turner, der Maler, an den Rhein und brachte ein dickes Skizzenbuch mit. Darin kritzelte er Eindrücke, die von der Wirklichkeit ziemlich stark abwichen. Das lag aber nicht am Wein, sondern an der Romantik in ihrer ursprünglichsten Form, der Rheinromantik.

So diesig sah der Maler William Turner den Fels, der damals noch ein Geheimtip und hauptberuflich Steinbruch war.

Später folgten Millionen und Abermillionen, die teilweise auch romantisch waren. Und dieses Gefühl hatte man eben in den 70er-Jahren zubetoniert. Nun, oh Zeitenwende, sind diese Sünden eliminiert (und das Gefühl wieder freigelegt). Das konnte man sich jahrzehntelang kaum vorstellen und das mussten wir uns natürlich mal anschauen. Bei unserem Aufstieg waren übrigens lauter Engländer um uns herum: Weihnachtsmarkt-Jetsetter von der Insel auf den Spuren ihres poetischen Lords.

Nostalgiebaustelle

Neue Aussichtsrampe und die eher unscheinbare Halle (rechts).

Emily füttert einen Dienstesel vom Drachenfels

Auch die Drachenfels-Esel sind historisch. Es sind die Lasttiere der Romantik.

Und hier das Gedicht:

The Castled Crag Of Drachenfels

(from „childe harolds pilgrimage“)

The castled crag of Drachenfels
Frowns o’er the wide and winding Rhine,
Whose breast of waters broadly swells
Betweeen the banks which bear the vine,
And hills all rich with blossom’d trees,
And fields which promise corn and wine,
And scatter’d cities crowning these,
Whose far white walls along them shine,
Have strew’d a scene, which I should see
With double joy wert thou with me.

And peasant girls, with deep blue eyes,
And hands which offer early flowers,
Walk smiling o’er this paradise;
Above, the frequent feudal towers
Through green leaves lift their walls of gray,
And many a rock which steeply lowers,
And noble arch in proud decay,
Look o’er this vale of vintage-bowers;
But one thing want these banks of Rhine, –
Thy gentle hand to clasp in mine!

I send the lilies given to me:
Though long before thy hand they touch,
I know that they must wither’d be,
But yet reject them not as such;
For I have cherish’d them as dear,
Because they yet may meet thine eye,
And guide thy soul to mine even here,
When thou behold’st them drooping nigh,
And know’st them gather’d by the Rhine,
And offer’d from my heart to thine!

The river nobly foams and flows,
The charm of this enchanted ground,
And all its thousand turns disclose
Some fresher beauty varying round:
The haughtiest breast its wish might bound
Through life to dwell delighted here;
Nor could on earth a spot be found
To nature and to me so dear,
Could thy dear eyes in following mine
Still sweeten more these banks of Rhine!

So schick sah er natürlich nicht aus, als er verschwitzt wieder vom Fels herunterkam.

George Gordon Lord Byron . 1788-1824

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