Romantische Raserei

Immer an der Burg lang. "Silberpfeile" in einer dieser gefährlichen Kurven

Noch eine Ritterburg. Wahrscheinlich sogar die berühmteste der Welt. Aber mit weit weniger Andrang als die Zweitberühmteste. Denn die Nürburg ist ja nur die  Namensgeberin der Rennstrecke, sozusagen ihre romantische Staffage. Rennfahrerei soll ja auch mal romantisch gewesen sein. Ich fahr ab und zu hin – zu der Burg -, um mir den Kopf zu durchzulüften. Von Bonn aus sind es rund 60 Kilometer und etwa ebenso viele Minuten immer auf der B 257 nach Süden. Auch eine kurvenreiche Strecke. 1925, als der Ring gebaut wurde, war das eine kleine Weltreise. Eine dreiste Idee so eine Rennpiste mitten in der kargen Eifel, dem Armenhaus der Rheinprovinz.

Man sieht sie schon von weitem, weil die etwa 900 Jahre alte Trutzburg auf der Spitze eines frei stehenden Bergkegels errichtet wurde,  einer dieser schlafenden Vulkane. Und da der Schläfrige immerhin nahzu 700 Meter hoch ist, hat man einen herrlichen Rundblick. Und im Zweifelsfall himmlische  Ruhe, besonders natürlich im Winter. Da oben springen die Gedanken wie von selber an. Und all das ohne Eintrittsgeld. Da steht man dann an der meterdicken Außenmauer wie einst die Burgherren „derer zu Nürburg und Are“ und sieht aber, was die natürlich nicht sehen konnten (wovor sie sie sich aber immer geführchtet haben sollen): ein Ungeheuer, das sich durch die Eifelwälder schlängelt.

Asphaltmonster im deutschen Wald: Postkarte aus den 20er-Jahren.

Siegerperspektive: "Start und Ziel" auf einer zeitgenössischen Postkarte

Renngeometrie: "Nordkehre" auf "Luftpostkarte"

Warten auf die Silberpfeile: Benzinromantik mit Nürburg auf einer Postkarte der 50er-Jahre

Das Ungeheuer, das inzwischen 28 Kilometer lang ist und wenn es ab und zu aufwacht, furchtbar laut losdröhnt, ist zwar erst knapp 90 Jahre alt, hat aber auch schon einiges erlebt. Zuletzt gerade mal wieder einen Finanz- und Politskandal, der sich gewaschen hat. Seitdem gibt es außer der Burg sogar noch eine Ruine,  eine Investitionsruine. Auch ein schönes Kompositum. Darüber hätten Heinrich Heine (oder Lord Byron) längst ein gepfeffertes Gedicht geschrieben!    bp

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