Unter der Laterne

Der Brünkerhof als „Schandfleck“

Anfang der 80er-Jahre bekam ich meinen ersten Job als Diplompsychologe in einem im Duisdorfer Brünkerhof untergebrachten Kindergarten. Obwohl das eine ziemlich kurze und chaotische Erfahrung war, hat der Ort für mich seitdem eine Bedeutung. Deshalb habe ich über die Jahrzehnte so nebenbei verfolgt, wie man sich in Duisdorf unbeirrt, aber langwierig eines zentralen historischen Gebäudes entledigte – das, obwohl es angeblich ein „Baudenkmal“ war, ja sogar eine „Burg“, irgendwann nur noch als „Schandfleck“ galt. Ein Begriff, der, wenn er erst mal im Raum steht, in der Regel auf Vernichtung hinausläuft – wie auch in diesem Fall.

Das alte, bekannte Spiel: Erst verrotten lassen, dann kaputtsanieren. Wenn man sich die alten Fotos so anschaut, war das tatsächlich ein ziemlich runtergekommener Bau und ein verwildertes Gelände. Hügel und Büsche, hinter denen Kinder sich verstecken und was entdecken können. Ungemähtes Gras, das unkontrolliert wächst. Kinder, die unkontrolliert spielen. Das geht natürlich überhaupt nicht. Schandfleck-Vollstrecker waren dann die Sparkasse und ein Kölner Investor. An diese nicht sehr außergewöhnlichen Vorgänge erinnert nun – aus welchen Grund auch immer – der Generalanzeiger in seiner Wochenendausgabe vom 16. März. Nostalgie? Zwei historische Fotos zeigen links (in Schwarzweiß) die „alte Burg“ und zum Vergleich rechts daneben den Neubau, eine maßstabsgerechte Hülle, in dem nun ein „Discounter“ untergebracht wurde. Wie praktisch. Aber der GA-Journalist verweist auch auf historische Kontinuität. Wenn „die alte Burg“ auch weg ist, geblieben sind, deutlich erkennbar: ein Kanaldeckel, die Fahrbahnmarkierung und eine Straßenlaterne.               bp

´Leiden einer Wasserburg Foto Schreinerei Henning

Nägel aus dem Altbau Foto Schreinerei Henning

 

Restaurierte Treppe. Foto Schreinerei Henning

Discounter am Brünkerhof

Weißes Tuch und schwarze Tafel für den Brünkerhof

Der General-Anzeiger berichtete von der Enthüllung der historischen Tafel:

„Für mich ist das die letzte Amtshandlung, da kommen schon Emotionen auf“, sagte der Bezirksbürgermeister zu seinen Gästen. Schließlich war der Brünkerhof eines seiner ganz großen Projekte. Seit 1982 sorgte das historische Gelände in Duisdorf für stetige Diskussionen. Im Oktober des vergangenen Jahres wurde das neue Geschäfts- und Wohnzentrum im Herzen des Stadtteils schließlich fertiggestellt.

.. Der Bezirksbürgermeister sagte bei der Vorstellung der Tafel: „Ich habe diesen Termin absichtlich gewählt, denn das ist für mich ein krönender Abschluss. Schließlich ist das auch ein Stück Stadtgeschichte, das man mitgestaltet hat.“ Nach der offiziellen Enthüllung durfte deshalb auch noch ein wenig weiter gefeiert werden. Im Café des Brünkerhofs.           8. April 2008

 

Kontakt: www.schreinerei-henning.de

 

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