Das Haus neben unserem Garten

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Blick aus der Hängematte.

Vor 5, 6 Jahren, als unsere Kinder noch klein waren, haben wir unseren verwilderten Schrebergarten in der Kessenicher Rheingasse bezogen. Das Haus nebenan war leer. Dass die Mieter gerade eben gekündigt worden waren, wussten wir natürlich nicht. Aber dass es vor noch nicht allzu langer Zeit renoviert worden war, das sah man.

Nicht zuletzt an den neuen, massiven Holzfenstern, jedes einzelne ein paar hundert Euro wert.

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Ein feines Bürgerhaus, das die Stadt verrotten ließ

Das schöne, zweistöckige Haus aus der späten Kaiserzeit stand also leer. Und es passierte, was passieren musste. Der leere Raum wurde wie ein soziales Vakuum gefüllt: erst von autonomen Obdachlosen mit CD-Player, zwischendurch von Baustellenräubern aus dem Baltikum, dann von normalen Stadtstreichern. Die Hausbesetzungen aus purer Not führten bald in den hygienischen Ausnahmezustand ohne Perspektive, den man deutlich riechen konnte.

Anfragen bei der Stadt(-Verwaltung) führten zu Standardreaktionen: Zumauern des Erdgeschosses. Wobei auffiel: Man ließ zahlreiche Fenster offen. Warum? Faulheit? Dummheit? Oder steckt jenes dreiste Spekulatentum dahinter, das ja der Grund der Hausbesetzerbewegung der 70er- und 80er-Jahre war? Keine dieser logischen Alternativen wäre erfreulich.

Irgenwann stand der Abriss an. Denn das Haus, das man bewusst verrotten ließ, sei nun nicht mehr renovierbar. In höchster Verzweiflung stellten Mitglieder des Kleingartenvereins Bonn-Süd einen Bürgerantrag: Und, oh Wunder, es fand sich eine Ratsmehrheit, die den Abriss stoppte und eine „Zwischennutzung“ einforderte. Was immer das heißt.

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Auf der Rückseite: Das größte Graffity in Bonn.

Natürlich betrifft mich diese mysteriöse  Geschichte direkt, weil der Schreibergarten meine seelische Hängematte ist. Aber darüber hinaus ist es auch ein Skandal, der zum Himmel stinkt, und zwar weit mehr als die Pisse der Stadtstreicher.

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Exotische Blumen aus unserem Schrebergarten

 

 

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