Hilde in der Heide

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Hilde hinter der Villa Schelploh: Wäschetag in schicken Schuhen ..

Neulich hab ich dieses Foto von meiner Oma Hilde Pieper gefunden. Sie hieß ursprünglich Kwasny, war mit der Familie aus dem Osten zugewandert. Von wo genau, Ostpreußen oder Polen, weiß ich nicht. Jedenfalls ging es gen Westen. In der Lüneburger Heide, wo ich aufgewachsen bin, sind sie hängengeblieben. Da gab es Öl, Kali und Arbeit.

In der Südheide konnte man also Geld verdienen. Auf dem Bild steht Hilde, die „Freidenkerin“, die überlegte, ob sie nach Holland auswandern sollte, um 1930 auf dem Gut Schelploh. Das war ein Herrenhaus, das kurz nach der Jahrhundertwende im romantischen Stil von dem Hamburger Reeder und Kohlegroßhändler Bernhard Blumenfeld in sandiger Einsamkeit errichtet wurde. Ein Enkel von ihm war Erik Blumenfeld, eine schillernde Persönlichkeit, fünf Jahre jünger als meine Großmutter, später KZ-Insasse und „Swing-Heini“ ..

Die gewaltige, frei stehende Villa, die man später verrotten ließ und inzwischen ganz unromantisch abgerissen hat, war von einem rund fünf Hektar großen Park umgeben. Den hatte 1912 der Kölner Gartenbaudirektor Fritz Encke entworfen, nach dessen Plänen unter OB Adenauer und gemeinsam mit dem Architekten Fritz Schumacher die vorbildlichen Kölner Parkanlagen entstanden.Später wurde das Landhaus mehrmals verkauft, unter anderem an einen Schokoladenfabrikanten aus Hannover.

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Besuch von Adolf? Hildes späterer Mann, mein Großvater Adolf Pieper, war ein begeisterter Fußballer und Motorradfahrer

Hilde war in Schelploh Kaltmamsell, gehörte zum umfangreichen Hauspersonal und war offenbar auch für die Bettwäsche zuständig. Ich habe sie später noch in der dampfend heißen Waschküche stehen und am Waschbrett schrubben sehen. Wir hatten kein fließend Wasser. Asphaltstraßen auch nicht. Hilde konnte gut kochen. Ihre Eintöpfe und Bratkartoffeln werde ich nie vergessen. Jemand fand sie damals schön. Derjenige muss eine Kamera dabei gehabt haben und konnte die Linse scharf stellen.

Nachtrag 1: Mein Vater Rolf Polster, auch ein Zuwanderer aus Sachsen, hat 1948 in Schelploh gearbeitet. Für die „Tomys“, die hier dicht an der Zonengrenze während der Berliner Luftbrücke, für die er mitgeschuftet hat, ihr komfortables Erholungsheim eingerichtet hatten.

Nachtrag 2: Die nahe bei Schelploh liegende Gemeinde Eschede hat eine historische Broschüre zusammengestellt.

Nachtrag 3: Ich habe direkt nach der Schule die Heide verlassen und bin auch in den Westen gegangen. Da war Hilde schon tot. Den Rhein hat sie nie gesehen  ..   bp

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