Als noch Köpfe grollten

bonnerköpfe-448-webEine meiner Errungenschaften aus der Grabbelkiste des Bücherkarrens am Kaiserplatz ist ein Buch, das mal ein Bestseller war: 99 Bonner Köpfe von Walter Henkels (nicht zu verwechseln mit Paul Henckels (dem ewigen Rheinländer des UFA-Films), das 1963 erschien. Henkels, geboren 1906 im Bergischen Land, ehemaliges Mitglied einer SS-Propagandaeinheit, machte im Nachkriegsbonn Karriere. Er gründete die Bundespressekonferenz und galt als intimer Kenner der Politszene.

Seine kurzen und prägnanten Politikerporträts – von Konrad Adenauer bis Siegfried Zoglman – bieten tiefe und unterhaltsame Einsichten in deutsche Biografien der ersten bundesdeutschen Politikergeneration. Die, wie man schnell merkt, noch Biografien hatten, und nicht nur Karrieren.

fritzerlerMich haben (aus familiären Gründen) SPD-Größen besonders interessiert. Wie der früh verstorbene Fritz Erler, der Held meiner Großeltern, der, neben Wehner und Brandt, als künftiger Bundeskanzler gehandelt wurde. Erler, Jahrgang 1913, saß unter den Nazis wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ in Haft. Zusammen mit dem späteren SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher, der ihm bei dieser Gelegenheit „nicht nur das Skatspielen beibrachte“. Auch deshalb mochte ihn mein Opa. Erler und Schumacher waren beide große Redner. Das waren noch Zeiten. Erler kam als „Moorsoldat“ ins Emsland. An den Folgen dieser Slavenarbeit ist er später gestorben.

Interessant sind auch die SPD-Antipoden Erich Ollenhauer und Carlo Schmidt, der eine treuer Parteibuchhalter, der andere Wandervogel  und Intellektueller, der mit einer Französin verheiratet war und Michelangelo übersetzte. Es gab also nicht nur Altnazis. Später hat Henkels, weil sein Buch so erfolgreich war, noch 120 Bonner Köpfe nachgelegt. Man könnte ja mal überlegen, ob man auf bonnweh nicht ein paar von ihnen vorstellt.      bp

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