Schwimmen geht leider nicht

Das war einmal. Wasser  im Schwimmbecken.

Erst mal die ganz gewöhnlichen bönnschen Kuriositäten. Einfach zu komisch. Wie das eben so abläuft, wenn sich Bürger an die Stadt wenden, in diesem Falle ihren hochverehrten Oberbürgermeister (CDU). Also, sechs Godesberger Schulen in Person ihrer Pflegschaftsvorssitzenden haben Herrn Sridharan einen Brief geschrieben und sich darin für den Erhalt des Kurfürstenbades eingesetzt, weil sonst kein Schwimmunterricht mehr stattfinden kann und Kinder nicht schwimmen lernen. So weit, so schlecht. Dann – OB Sridharan denkt nach – vergeht ein Vierteljahr, bis sie Antwort erhalten.

Aber die Antwort – die jedoch nicht etwa direkt an die Briefschreiber geht, sondern erstmal an die Presse – kommt auch nicht von dem oben Genannten. Nein, der hat wahrscheinlich Wichtigeres zu tun. Geantwortet hat der Beigeordnete Martin Schumacher, Jurist, seit Ewigkeiten Sportdezernent und Parteibuchloser. Der entschuldigt sich erstmal für den Wortbruch der Stadt, das Kurfürstenbad so lange offen zu halten, bis das bislang ohnehin nur imaginierte „neue Bad“ fertig sei. Könnte durchaus der Sanktnimmerleinstag werden. Geschenkt. Das sei nun eben „leider nicht möglich gewesen“. Ach so. Eigentlich, sagt Schumacher, eigentlich  müsste es schon „geeignete Schwimmflächen“ geben. Aber eben nur eigentlich. Geht eben leider nicht. Man muss halt Prioritäten setzen in der Politik.

Und außerdem, hatte ich ganz vergessen (gut dass Dezernennt Schumacher mal dran erinnert): nämlich „Schwimmbäder gehören nicht zu den Pflichtaufgaben, die eine Kommune zu leisten hat.“ Pflichtaufgaben, ui. Was so ein justisch geschultes Dezernentenhirn so alles ausbrütet. Da kann man lange drüber nachdenken. Sinn macht es trotzdem nicht. Ach ja, dann kommt natürlich noch das Presseamt und setzt locker einen drauf: „Grundsätzlich sollte der Ausfall des Kurfürstenbades für das Schulschwimmen in verschiedenen anderen Bädern kompensiert werden.“ Grundsätzlich. Sollte. Was den Sinn anbetrifft, gilt für diese hochtrainierten Sprachakrobaten dasselbe wie oben. Glitschig wie Schwimmbadfliesen ..

Schwimmen soll ja manchmal richtig Spaß machen ..

Und dann noch die künftige Traglufthalle für das Freibad in Friesdorf. In Friesdorf!? Als Ersatz für die geschlossenen Hallenbäder im Zentrum, in Godesberg etcetera. Noch so eine total verrückte Luftnummer. Mit den Kosten für die Oper und das WC-Center will ich ja nicht schon wieder kommen. Aber es drängt sich halt auf ..

Noch was. Bevor das  Kurfürstenbad endgültig zertrümmert wird, damit sich niemand mehr an den Frevel erinnert, soll das große Mosaik des Malers Paul Magar – der Lyonel Feininger von Godesberg (von dem gibt’s auch eine Straße) – „gesichert und an  anderer Stelle installiert werden“. (GA) Dann hätten die, die um das schöne Hallenbad trauern eine bunte Klagemauer, eine Stätte zum Weinen. Ihre Tränen werden in solch gewaltigen Strömen fließen, dass sich daraus geeignete Schwimmflächen bilden. Und aus allen Stadtteilen kommen die Kinder herbei und können in diesem Tränensee schwimmen lernen  ..  bp

Gähnende Leere. Blick vom Sprungturm im Kurfürstenbad. Foto Benjamin Westhoff

 

 

 

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